„Weder Panik- noch Stimmungsmache“

Kleine Unterführung war die beste Variante bei Umweltverträglichkeitsstudie

Die BÜRGER FÜR GELNHAUSEN hatten mit ihrer Info-Veranstaltung am 1. Juni eine erklärte Absicht: Die Bürgerinnen und Bürger von Hailer und Meerholz sollten über den Stand des Planfeststellungsverfahren zur Beseitigung des Bahnübergangs sowie des Ausbaus der K 904 informiert werden. Und sie sollten sachlich und umfassend erfahren, welche Auswirkungen diese 1999 – also vor 18 Jahren – beschlossenen Planungen für Menschen und Natur haben. 

„Genauso geschah es. Hier von einer Panik- und Stimmungsmache zu sprechen, ist absolut unangebracht“, sagt Bodo Delhey, Fraktionsvorsitzender der BÜRGER FÜR GELNHAUSEN (BG). „Eigentlich hätte der Main-Kinzig-Kreis als Planungsträger diese Informationsveranstaltung durchführen müssen. Stattdessen versucht der Kreis jetzt, fast 20 Jahre alte Planungen ohne Beteiligung der Bevölkerung und der städtischen Gremien durchzuziehen.“
Es wäre auch Aufgabe des Kreises, die städtischen Gremien zu informieren. Zudem hätte er die Stadtverordneten-Versammlung auffordern müssen, zu prüfen, ob ein Beschluss nach 18 Jahren noch aktuell sei und wirklich aufrecht erhalten werden könne.

Das alles, so Delhey, sei nicht Aufgabe der BÜRGER FÜR GELNHAUSEN, wie Landrat Pipa in seiner Pressemitteilung darzustellen versuchte. Die BG hätten deshalb bei ihrer Info-Veranstaltung auch unmissverständlich klargestellt, dass der Main-Kinzig-Kreis über den Bau einer „Monsterbrücke“ entscheide – und nicht die Stadt Gelnhausen. 

„Es ist das Ziel der BÜRGER FÜR GELNHAUSEN und ein zentraler Punkt in meinem Wahlprogramm, dass derartige Planungsprozesse künftig transparent gemacht und insbesondere die betroffenen Bürgerinnen und Bürger mit eingebunden werden“, sagt Bürgermeister-Kandidat Jochen Zahn. „Wir unterstützen ausdrücklich die Bürgerinitiative in Höchst gegen den Bau einer ICE-Trasse quer durchs Kinzigtal. Für mich ist es deshalb unverständlich, wieso sich jetzt ein Höchster CDU-Kandidat dafür ausspricht, dass die landschaftsgeschützte Kinzigaue in Meerholz und Hailer durch diese große Brücke verschandelt werden soll.“ 

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) habe den Main-Kinzig-Kreis bereits im Jahr 2014 gebeten, eine kleine Unterführung als Alternative zur großen Omega-Brücke zu prüfen. Eine solche Unterführung wurde nämlich 1993 bei einer Umweltverträglichkeitsstudie als die konfliktärmste Lösung bewertet. „Wenn jetzt behauptet wird, eine kleine Unterführung beeinträchtige die Qualität des Grundwassers, ist das sachlich schlicht falsch: Das damalige Amt für Straßen- und Verkehrswesen (jetzt Hessen Mobil) hatte 1995 eine große Unterführung in den Planungsprozess eingebracht, und nur die wurde wegen möglicher Beeinträchtigung der Grundwasserqualität des Trinkwasserbrunnens Hailer negativ beurteilt“, ergänzt Bodo Delhey, der seit vielen Jahren für den BUND in der gemeinsamen Planungsgruppe für den Bahnausbau mitarbeitet.

Der BUND habe den Kreis auch darauf hingewiesen, dass die naturschutzfachlichen und artenschutzrechtlichen Gutachten, die der Planfeststellung zugrunde liegen, nicht älter als fünf Jahre sein dürfen. „Die heute vorliegenden Gutachten sind 15 Jahre alt und dürfen deshalb gar nicht mehr verwendet werden. Neue Gutachten sind auch deshalb erforderlich, weil sich in den letzten Jahren einiges am Standort geändert hat.“ So habe die Natur- und Vogelschutzgruppe Meerholz-Hailer in der Kinzigaue Feuchtlandtrittsteine angelegt, Störche hätten sich wieder angesiedelt, und südlich der Bahnstrecke sei im Schlossgarten ein neues Feuerwehrhaus und ein neues Haus des Pflegeheims Meerholz gebaut worden.

Leider habe der Kreis die Anregungen und Hinweise des BUND bisher nicht aufgenommen, so Bodo Delhey. Vielmehr habe er zwei Jahre Zeit verstreichen lassen. Wenn es nun zu Verzögerungen beim Planfeststellungsverfahren kommen sollte, sei dies eindeutig das Verschulden des Main-Kinzig-Kreises. Auch die Bitte des BUND, sich über den aktuellen Stand des Planfeststellungsverfahrens auszutauschen, sei von Landrat Pipa bisher stets abgelehnt worden; seine Begründung: „Der Zug ist schon abgefahren“. Delhey: „Wenn Pipa jetzt über eine öffentliche Pressemitteilung ein Gespräch mit Verkehrsdezernent Matthias Zach anbietet, spricht das für sich.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.