Pressemitteilung BG 06.02.2026
Seit dem katastrophalen Hochwasser 2003 im Kinzigtal haben wir alle großes Glück gehabt. Wir waren von den schlimmen Hochwasserkatastrophen in Deutschland und Zentraleuropa mit vielen Toten und Verletzten sowie Schäden in Milliardenhöhe nicht betroffen.
Trotzdem werden effektive und relativ kostengünstige Maßnahmen zum Hochwasserschutz, obwohl längst beschlossen sowie schnell und einfach umsetzbar, von der Stadtverwaltung in Gelnhausen einfach nicht durchgeführt.
Der Hochwasserschutz ist für die Bürger von Gelnhausen ein zentrales Anliegen. Bereits im Januar 2025 hat die Wählergemeinschaft einen Antrag zum Haushaltsplan 2025 zur Reduzierung von Starkregenereignissen eingebracht. Mindestens 100 neue Versickerungsmulden oberhalb der Kernstadt und von Haitz und Roth sollten geschaffen und die bestehenden Mulden saniert werden. Im Haushalt sollte dafür ein Budget von mindestens 100.000 € eingeplant werden.
Zwar wurde die Maßnahmen in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen und das Budget eingeplant, aber passiert ist bis heute nichts, kritisiert Magdalena Kohlruss, die als Mitglied der BG für die Stadtverordnetenversammlung und den Ortsbeirat Roth kandidiert. Vielmehr ist es notwendig, dass Mario Röder, Fraktionschef der BG, im Rahmen der Haushaltsberatungen für 2026 die Umsetzung der Maßnahmen erneut einfordert, damit jetzt endlich etwas passiert.
Im August 2025 wurde auch ein weiterer Antrag der BG in Sachen Prävention bei Starkregenereignissen einstimmig von den Stadtverordneten verabschiedet. Unter dem Oberbegriff „Schwammstadt“ soll der Magistrat prüfen, ob an unseren städtischen Hallen und Gebäuden Versickerungsmöglichkeiten geschaffen werden können, um das Regenwasser vor Ort versickern zu lassen oder zeitverzögert abzuleiten. Es sollen auch Zisternen geschaffen werden, welche von Bürgern und dem Bauhof zur Bewässerung der umliegenden Bäume genutzt werden können. Um Überschwemmungen und voll gelaufene Keller zu vermeiden, sollen in den Hanglagen Versickerungsmöglichkeiten und Rückhaltebecken geschaffen werden. Insbesondere an den Streuobstwiesen, die aktuell vom Landschaftspflegeverband saniert werden, sollen Reservoire entstehen, die auch zur Bewässerung von neu gepflanzten Bäumen geeignet sind. Gleichzeitig können so auch Hangabrutschungen auf den gemulchten Wiesen verhindert werden.
Leider hapert es in Sachen „Schwammstadt“ auch an der zeitnahen Umsetzung der gefassten Beschlüsse.
Dabei können wir uns keinesfalls entspannt zurücklehnen. Wie kürzlich in dem Artikel der GNZ, „Hochwasser bleibt ein Dauerthema“, nachzulesen war, ist es damals, am 3. Januar 2003 und am 04.Januar 2024, zu gefährlichen Überflutungen im Kinzigtal gekommen. Ein plötzlicher Temperaturanstieg bis in den zweistelligen Bereich führte zu einer schnellen Schneeschmelze und gleichzeitig setzte starker Regen ein. Dieser floss bei gefroren Boden überwiegend oberflächlich ab, anstatt zumindest teilweise zu versickern. In kurzer Zeit traten vor allem die Kinzigzuflüsse Bracht und Salz massiv über die Ufer und es gab große Schäden in Brachttal und Bad Soden-Salmünster. Die Kinzigtalsperre konnte in der Situation zwar das Hochwasser in der Kinzig regulieren, aber nicht das Hochwasser von Salz und Bracht, die unterhalb der der Talsperre münden. Deshalb wurden auch Gelnhausen und teilweise auch Hanau überflutet. Hier zeigten sich ganz klar die Schwachstellen des Hochwasserschutzes im Main-Kinzig-Kreis. Nicht die Kinzig selbst, sondern die Nebenflüsse können zu einem ernsten Problem werden. Gut, dass es angesichts dieser Gefahrenlage seit 2007 ein Hochwasserschutzplan Kinzig gibt und sich der Wasserverband Kinzig in Abstimmung mit dem RP für eine Vorzugsvariante mit dem Bau von drei Rückhaltebecken entschieden hat. Allerdings ist bis heute, sage und schreibe 23 Jahre nach der letzten schlimmen Hochwassersituation bei uns, ebenfalls überhaupt nichts umgesetzt worden. Und dann wird auch noch das geplante Regenrückhaltebecken an der Salz aus Wirtschaftlichkeitsgründen gestrichen. Nutzen-Kostenanalysen bei Hochwasserschutz-Projekten halten wir für wenig geeignet, um sinnvolle Entscheidungen über den Schutz von Leben und Besitz der Menschen zu treffen. Wie viel ist ein Menschenleben, eine zerstörte Existenz, das Leid der Betroffenen wert? Anscheinend nicht sehr viel. Von etwa 2,4 Millionen Euro Nutzenbarwert ist die Rede in dem Artikel in der GNZ am 21. Mai 2025 über die Einstellung des Projektes. Das ganze Vorhaben ist aus Sicht des Landes Hessen eindeutig unwirtschaftlich. Ausgerechnet bei dem Schutz und der Sicherheit ihrer Landeskinder im Main-Kinzig-Kreis spart das Land Hessen. Das ist empörend und ein Skandal, der uns alle noch teuer zu stehen kommen kann. Die Überschwemmung der Altstadt in Büdingen am 29. Januar 2021, als Boote durch die Altstadt gefahren sind, hat gezeigt welche Kosten mit solchen Ereignissen einher gehen.
Dieser Tage haben der Verwaltungs- und Katastrophenschutz-Stab des Main-Kinzig-Kreises 2 Tage lang das Szenario „Jahrhunderthochwasser“ geübt, um für die Bewältigung einer solchen Krise vorbereitet zu sein. Das ist wichtig und sehr beruhigend. Noch besser wäre es, mit oberster Priorität alles in die Wege zu leiten, um solche Katastrophen, wenn irgend möglich, zu verhindern.
Es ist deshalb von zentraler Bedeutung, dass die Stadtverwaltung in Gelnhausen endlich ins Tun kommt. Die Bürger für Gelnhausen werden hier nicht nachlassen und die zügige Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen zum Hochwasserschutz weiter vorantreiben.