Rad-Highway für Gelnhausen: In Meerholz könnte die erste Fahrradstraße der Barbarossastadt entstehen

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Beim Fahrradklimatest 2025 ist Gelnhausen krachend durchgefallen – jetzt bietet sich eine Chance. In Meerholz könnte die erste Fahrradstraße der Barbarossastadt entstehen. Was dahintersteckt, wie Bürger mitreden können und warum Autofahrer keine Angst haben müssen.

Gelnhausen-Meerholz. Der Blick auf die Ausgangslage ist ernüchternd: Beim im Juli veröffentlichten ADFC-Fahrradklimatest schneidet Gelnhausen erneut schlecht ab. Mit der Gesamtnote 4,5 liegt die Barbarossastadt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 3,9. In der Vergleichsgruppe ähnlich großer Städte (20.000 bis 50.000 Einwohner) reicht es nur für Platz 413 von 429. Grundlage sind die Rückmeldungen von 213.000 Radfahrern aus 1.047 Städten – in Gelnhausen beteiligten sich 144 Menschen.

Der Test misst keine Technik, sondern Wahrnehmung – und genau darin liegt seine Stärke. Denn die Kritikpunkte sind seit Jahren dieselben: zu schmale Radwege, schlechte Ampelschaltungen, mangelndes Sicherheitsgefühl und schwieriges Fahren im Mischverkehr mit Autos. Seit dem letzten Test 2022 hat sich daran kaum etwas verbessert.

Eine Fahrradstraße in Gelnhausen: Erster Vorstoß in Hailer war 2023 gescheitert

Genau das wollten die beiden Mitglieder der Bürger für Gelnhausen, Jochen Zahn, Ortsvorsteher von Meerholz, und Jochen Hofmann von der Initiative Sicherer Schulweg Gelnhausen nicht hinnehmen. Beide engagieren sich seit Langem für mehr Sicherheit im Straßenverkehr – für Kinder ebenso wie für Radfahrer. Hoffnung machte ihnen ein Gedanke, der im November 2023 von den People for Future ins Spiel gebracht wurde: eine Fahrradstraße durch Hailer und Meerholz.

Ziel der Initiative war es, eine sichere Radverbindung vom Anfang der Jahnstraße bis zum Mittlauer Weg zu schaffen und bestenfalls darüber hinaus: Osten in Richtung Kernstadt und Altenhaßlau und auch zu den Orten im Westen der Barbarossastadt. Schon früh rückte dabei die alte Kleinbahntrasse in den Fokus – eine Strecke, die heute bereits eine wichtige Radachse durch Meerholz ist. Doch der erste Anlauf scheiterte. Zwei Wochen nach Vorstellung des Konzepts lehnte der Ortsbeirat Hailer die Umwidmung der Jahnstraße ab. Ein Rückschlag – aber kein Aus.

„Ich fand die Idee einer Fahrradstraße gut und habe zu Jochen Hofmann gesagt: Lass es uns in Meerholz versuchen“, erinnert sich Jochen Zahn. Hofmann stieg tief ins Thema ein und suchte vor allem nach einem Weg, Menschen von der Idee zu überzeugen.

Der entscheidende Impuls kam aus Rüsselsheim. Dort plant die Stadt ein ähnliches Projekt – begleitet vom Förderprojekt Transform-R, für das der Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main verantwortlich ist. Transform-R ist ein vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördertes Projekt mit fünfjähriger Laufzeit bis Oktober 2027.

Bessere Radwege in Gelnhausen: Förderprojekt Transform-R ins Boot geholt

Ziel ist es, die Energie- und Mobilitätswende in der Region voranzubringen – nicht nur technisch, sondern auch sozial. Partner sind unter anderem die Goethe-Universität Frankfurt, das Institut für sozial-ökologische Forschung und das Ifeu-Institut. In sogenannten Reallaboren werden Lösungen erprobt, ausgewertet und für andere Kommunen nutzbar gemacht.

Bei einem Infotermin in Rüsselsheim verabredeten Hofmann und mehrere Transform-R-Vertreter, sich die Situation in Meerholz gemeinsam anzuschauen und mit lokalen Akteuren ins Gespräch zu kommen. Der erste Termin in Meerholz verlief so überzeugend, dass Zahn und Hofmann kurze Zeit später Bürgermeister Christian Litzinger informierten. Der Rathauschef zeigte sofort Interesse. Nach einem gemeinsamen Treffen mit Mitarbeitern des Regionalverbandes entstand eine Arbeitsgruppe, zu der neben Zahn und Hofmann mehrere Vertreter der Stadt um Klimamanager Andreas Hlasseck und Verantwortliche von Transform-R gehören. Die Gruppe traf sich mehrfach – mit greifbaren Ergebnissen.

Radweg an der Clamecystraße im Dezember fertiggestellt

Parallel dazu hatte sich auch die allgemeine Stimmung für den Radverkehr in Gelnhausen verbessert. Im Herbst wurde bekannt, dass der Bund den Bau eines kombinierten Geh- und Radwegs entlang der Clamecystraße mit 445.000 Euro fördert. Das Gesamtprojekt kostet 600.000 Euro und schließt eine wichtige Lücke zwischen Kernstadt und Hailer. Die Arbeiten an der Clamecystraße wurden im vergangenen Dezember abgeschlossen. Auch der Schotterweg am Flugplatz soll nach Abschluss des Bahnausbaus asphaltiert werden.

Für die Mitglieder der Arbeitsgruppe war klar: Zusammengenommen ergibt sich eine große Chance. Mit einer Fahrradstraße in Meerholz könnte perspektivisch eine durchgängige Verbindung entstehen – vom Bahnhof über Flugplatz, Hailer und Meerholz bis nach Niedermittlau oder über die Kinzigauen zum Fernradweg R3. Eine zentrale Achse für Alltag, Freizeit und Tourismus. Meerholz, ist sich Jochen Zahn sicher, würde auch aus touristischer Hinsicht profitieren. Immerhin steigt der Anteil der Radfahrer auch bei Reisenden aus anderen Regionen stetig.

Radhighway durch Gelnhausen-Meerholz: Mehrere Trassen im Gespräch

Die Arbeitsgruppe lotete Chancen auf Fördermittel aus und ging konkrete Vorplanungen an. Kurz vor Weihnachten erfolgte dann eine gemeinsame Ortsbegehung mit Vertretern von Transform-R und der Stadt, bei der kritische Stellen noch einmal gründlich begutachtet wurden. Noch 2026 soll ein Verkehrsversuch erfolgen.

Und wo könnte die Route verlaufen? Los geht es laut aktuellen Überlegungen an der Grenze zwischen Hailer und Meerholz, an der Ecke Kleinbahnweg/Schießhausstraße, und dann entlang der alten Kleinbahntrasse weiter in Richtung Viadukt.

Der große Vorteil: Ein Großteil der Strecke ist bereits Radweg. Kreuzende Straßen müssten lediglich beschildert werden – mit klarer Botschaft an Autofahrer: Hier haben Räder Vorrang. Der Anschluss an den Mittlauer Weg könnte über die Straße „Am Viadukt“ oder die Wingertstraße erfolgen. Wo kein Radweg existiert, reichen Markierungen auf der Fahrbahn. Teure Umbauten sind nicht nötig.

Bleibt die zentrale Frage: Müssen Autofahrer nun Angst haben? „Ganz klar nein“, sagt Jochen Zahn. „Niemand will Autos aus Meerholz verbannen oder Straßen zu reinen Fahrradbereichen machen. Es geht darum, Fahrrädern Vorrang zu geben.“ Ziel, macht er klar, sind nicht Verbote, sondern gegenseitige Rücksicht.

Eine Fahrradstraße für Gelnhausen: Rüsselsheim zeigt, wie es gehen kann

Das wichtigste Gebot für die Akteure: Bürgerbeteiligung. Transform-R setzt konsequent auf Dialog – mit Erfolg. In Rüsselsheim kamen im August 2025 rund 100 Anwohner zu einer moderierten Dialogveranstaltung zur Umgestaltung der Weisenauer Straße.

Bürger konnten sich informieren, Ideen einbringen und auf dem „roten Sofa“ direkt mit Oberbürgermeister und Stadtrat sprechen. Viele Anregungen – etwa zu Begrünung und Parken – flossen in die Planung ein. Die Akzeptanz für die Fahrradstraße ist dort laut Stadt hoch, die Entwurfsplanung soll bald abgeschlossen werden, der politische Beschluss steht im Februar an.

Bürger reden mit: Infoveranstaltung in Gelnhausen am 9. Februar

Dieser Weg macht Hoffnung. „Rüsselsheim zeigt, was möglich ist, wenn man die Menschen ernst nimmt“, sagt Jochen Hofmann. „Auch in Gelnhausen können wir mit der ersten Fahrradstraße ein echtes Modellprojekt starten“, ergänzt Jochen Zahn. „Davon würden andere Stadtteile und Kommunen profitieren – und eine der wichtigsten Routen im Kinzigtal würde sicherer und attraktiver.“

Genau deshalb sollen auch in Meerholz die Bürger von Anfang an mitreden. Für Montag, 9. Februar um 17:30 Uhr, laden Stadt und Transform-R zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung in die Sport- und Kulturhalle Meerholz ein. Dort wird das Projekt vorgestellt, mögliche Routen werden diskutiert – und vor allem Meinungen eingeholt. Denn am Ende soll die Fahrradstraße eines sein: ein gemeinsames Projekt für Gelnhausen.

GNZ